7. November 2018

Igel gehören zu den beliebtesten Wildtieren überhaupt. Bei genauerem Hinsehen ist das nicht verwunderlich, denn die kleinen, wuseligen Tierchen wirken trotz ihrer Stacheln sehr niedlich. Doch nicht selten finden Spaziergänger auch Tiere, welche alles andere als fit sind. Da dem Igel innerhalb seines natürlichen Lebensraums einiges zustoßen kann, häufen sich vor allem zur dunklen Jahreszeit die Funde kranker oder verletzter Tiere. Was Sie tun können, wenn Sie ein solches Exemplar finden, erfahren Sie hier.

kleiner Igel auf einer Handfläche
Im Winter sollte man einem Igel unbedingt helfen – © depositphotos.com @ Abutik

So erkennen Sie kranke Igel

Natürlich sollten Sie nicht übereifrig reagieren, wenn Sie einem Igel in freier Wildbahn begegnen. Prüfen Sie stattdessen vorab, ob dem Tier überhaupt etwas fehlt. Es kommt vor, dass die Tiere auf uns leicht desorientiert und anderweitig hilfsbedürftig wirken – dieser Eindruck kann täuschen. Recht offensichtlich wird die Hilfe dann benötigt, wenn das Tier eine sichtbare Verletzung aufweist. Wenn Sie Blutreste, Fleischwunden oder gar verdrehte Gliedmaßen an einem Igel entdecken, dann sollten Sie auf jeden Fall handeln. Generell sind Igel, welche tagsüber auf der Futtersuche sind, in vielen Fällen krank. Normalerweise sind die Tiere nämlich dämmerungs- sowie nachtaktiv. Auch wenn das Tier apathisch auf Umwelteinflüsse reagiert, ist die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung oder Verletzung recht hoch. Das Tier rollt sich in einem solchen Fall nicht ein – selbst dann nicht, wenn Sie sich ihm bis auf wenige Zentimeter nähern. Auch das Äußere kann auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten: Wirkt der Körper des Tieres eingefallen, die Augen halb geschlossen oder verklebt, dann ist der Igel sehr wahrscheinlich krank.

Untersuchung des Igels

Ziehen Sie sich Handschuhe an und untersuchen Sie das Tier auf äußere Verletzungen. Sofern Sie keine adäquaten Handschuhe besitzen, verwenden Sie einen dünnen Ast oder ähnliche Hilfsmitteln, um den Igel anzusehen. Gehen Sie hierbei stets vorsichtig. Vor. Fassen Sie den Igel allerdings nie mit bloßen Händen an. Erstens besteht hier Verletzungsgefahr und zweitens könnte das Tier eine für den Menschen ansteckende Krankheit oder Parasiten haben. Inspizieren Sie nicht nur den Rumpf des Tieres, sondern auch die Gliedmaßen und den Kopf. Die winzigen Pfoten sind zwar schwer zu sehen, müssen jedoch trotzdem möglichst gründlich untersucht werden.

Wärme ist wichtig

Wenn Sie den Igel im Winter gefunden haben, dann ist er sehr wahrscheinlich unterkühlt. In diesem Fall ist es essenziell für das Tier, dass es auf eine normale Körpertemperatur gebracht wird. Eine Wärmflasche und ein dickes Handtuch oder ein Teppich können dem geschwächten Organismus des Igels dabei helfen, sich wieder aufzuwärmen. Das Wasser in der Wärmeflasche darf keinesfalls zu heiß sein! Sofern Sie keine Wärmflasche besitzen, kann auch ein gewöhnlicher Einmalhandschuh mit warmem Wasser gefüllt und oben gut zugeknotet werden. Umwickeln Sie diesen anschließend mit einem Handtuch, legen Sie beides in einen Karton oder eine Kiste und setzen Sie das Tier darauf. Je kleiner der Karton ist, desto eher wird der Igel auf dem Wärmekissen bleiben. Allerdings müssen die Wände so hoch sein, dass das Tier nicht entwischen kann.

Informationen sammeln und festhalten

Wenn Sie ein Tier als eindeutig krank oder verletzt identifizieren haben, dann sollten Sie schnell handeln. Um sich selbst oder einer Igelpflegestation das weitere Vorgehen zu erleichtern, sollten Sie ein Protokoll anlegen. In diesem wird genauestens festgehalten, wann und wo das Tier gefunden wurde. Notieren Sie außerdem am besten so viele Details zum Verhalten und dem Aussehen des Igels wie möglich. Auch ein Foto mit dem Smartphone kann dabei helfen, den Zustand möglichst exakt zu dokumentieren. Auf diese Weise können Sie später leichter beurteilen, ob sich der Zustand Ihres Schützlings verbessert oder gar verschlechtert hat. Die Buchführung sollte so lange aufrechterhalten werden, bis das Tier entweder gesund in die Freiheit entlassen wird oder an einer Pflegestelle übergeben wird. Lassen sie an dieser Stelle nichts aus, denn Ihre Beobachtungsgabe könnte dem Tier das Leben retten. Falls Sie das Tier über einen längeren Zeitraum bei sich aufnehmen, wird später auch das Körpergewicht und die Medikamentengabe dokumentiert.

Parasiten nach Möglichkeit entfernen

In den Körperöffnungen und in verletzten Bereichen des Igelkörpers sammeln sich in vielen Fällen Parasiten an. Diese müssen dringend entfernt werden, da sie das Tier zusätzlich schwächen. Die Eier von Fliegen erkennen Sie an einer länglichen oder runden Form und einer weißen Färbung. Handelt es sich nicht um Eier, sondern um Larven, so müssen die ebenfalls so schnell und gründlich wie möglich entfernt werden. Benutzen Sie hierzu eine Pinzette und ziehen Sie unbedingt Handschuhe an. Eine gute Beleuchtung sorgt dafür, dass Sie keine Eier oder Maden übersehen – das ist wichtig, um den Organismus des Tieres zu entlasten. Beim Tierarzt oder in der Zoohandlung sollten Sie sich Mittel besorgen, welche gegen Flöhe wirken. Diese gibt es entweder in Form eines Sprays oder als Pulver. Sofern Sie an der Haut des Igels Zecken finden, sollten auch diese entfernt werden. Hierzu werden die Zecken möglichst mit einer Pinzette am Körper gepackt und ruckartig herausgezogen. Gebadet sollten die Igel nur im äußersten Notfall werden, denn das Baden bedeutet Stress pur für einen Igel.

Igel schnell in gute Hände geben

In den meisten Fällen ist die Übergabe an eine Igelstation oder an eine Tierarztpraxis das Beste für einen Igel. Informieren Sie sich im Internet, wo sich die nächste Auffangstation befindet oder rufen Sie bei einem Tierarzt in Ihrer Nähe an. Zumeist kann der Arzt Sie auch darüber informieren, wo Sie das verletzte oder kranke Tier hinbringen können. Führen Sie möglichst wenige Maßnahmen eigenmächtig durch – außer natürlich, eine Verletzung ist akut und erfordert sofortiges Handeln. Gibt es keine Igelstation in Ihrer direkten Umgebung, so arbeiten Sie stets eng mit dem Tierarzt zusammen.

Tipp: Helfen Sie den Igeln in Ihrem Garten mit einem Igelhaus!